1. Tag

Hervorgehoben

Heute geht’s los …. Flug nach Florenz und dann ein bissel schauen, was die Stadt zu bieten hat. Ich bin ganz schön aufgeregt aber ich freue mich sehr …. und das Wetter soll ja auch schön werden. Morgen früh werde ich dann mit dem „Wandern“starten.

Mal sehen, was mich da so erwartet.

Satte 8 kg hat mein Rucksack !!! 😴
Nervös … aber glücklich 😃
Werbeanzeigen

13. Tag – Assisi

Geschlafen hab ich wie eine Prinzessin in einem Traumschloss … in einem tollen Zimmer mit Balkon, einem großes Bett, ein komplett modernes Bad und absoluter Ruhe hier über den Dächern von Assisi.

In diesem mit sehr viel Liebe hergerichteten Zimmer gab es sogar Kekse und Bonbons, als Betthupferl. Wunderbar 😀

Genug mit schwärmen. Nach einer ausgiebigen Dusche am Morgen, ging ich zum Frühstück, welches auch hier alles übertraf, was ein einfaches Pilgermenschlein sich vorstellen kann … ich genoss es in vollen Zügen. Die Freundlichkeit der Besitzerin und ihrer Tochter war nicht zu übertreffen. Ich bin jetzt zum ersten Mal in diesem 2 Wochen knüppeldick satt gegessen und werde dann das „Traumhotel“ verlassen. Wenn sich mal jemand in Assisi aufhält und ne Übernachtung sucht … hier seit ihr bestens aufgehoben „Hotel lieto soggiorno“ Mitten in der Stadt.

Ich verließ das Hotel und schaute mir noch das eine und andere Bauwerk an … war noch mal in der Basilika um mir mein „Testimonium“ zu holen und kaufte noch ein bissel Krimskrams ein. Ich war trotz der Mengen an Touristen sehr entspannt. Irgendwann meldete sich Doris, sie ist jetzt da !! Ich sah sie schon von oben auf die Basilika zugehen und begrüßte sie mit einer lieben Umarmung. Wir gingen zusammen nen Cappuccino trinken und unterhielten uns über gemeinsame Erfahrungen. Ich zeigte ihr noch, wo sie ihr „Testimonium“ holen konnte. Dann musste ich mich verabschieden. Ich ging die Straße Richtung Santa Maria del Angeli hinunter und schaute noch mal zurück !!!

Das Abenteuer Florenz / Assisi geht nun dem Ende zu. Ich bin sehr froh, dass ich mich trotz vieler ängstlicher Befürchtungen und Ermahnungen einiger meiner Mitmenschen getraut habe, alleine, diesen, „meinen Pilgerweg“ zu gehen. Ich habe vieles für mich mitgenommen aber auch einiges abgelegt !!! In mir ist es still und ich werde schauen, wie es weitergeht!

Ich sitze jetzt hier am Bahnhof von Assisi und warte auf den Bus. Danke an alle, die mich mit ihrem freundlichen Worten immer wieder unterstützt und ermutigt haben, auch wenn ich mal im Pilgerblues steckte. Danke auch an Doris, die emotional ähnliches erlebte, als sie ankam. War echt toll, dich kennenzulernen. 👍

Eines kann ich allen mit auf „ihren Weg“ geben: wenn ihr etwas wirklich wollt, und das von ganzem Herzen, dann tut es. Ihr wisst nie, ob es klappt oder nicht, wenn ihr nicht den Mut habt, Ängste zu überwinden … aber letztendlich geht jeder seinen eigenen Cammino.

Buon cammino …. 😘

12. Tag – Valfabbrica nach Assisi

Heute war es dann so weit … die letzten Kilometer bis Assisi !!!

Mein Fuß war zwar blau aber er schmerzte nicht mehr.

Ich war total motiviert, als ich erwachte … das Frühstück war heute auch mal wieder besonders lecker und so packte ich meinen Rucksack zum Endspurt nach Assisi. Auch das Wetter war ideal zum laufen, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Beim Frühstück traf ich einen jungen Engländer, der noch bis nach Rom will. Er will jedoch in 10 Tagen dort ankommen. Ich glaube, der joggt die Strecke.😉

Ich ging wie jeden Morgen nach dem Frühstück aus dem Hotel. Das Frühstück war wirklich lecker und auch mal total günstig. Für 35€ Übernachtung mit Frühstück ein wahres Schnäppchen. (Hotel Villa Verde – Prädikat sehr empfehlenswert)

Es waren heute ja nur ca. 15 Kilometer, jedoch die Strecke hatte wieder viele Höhen und Tiefen. Alles war ganz leicht. Der junge Engländer zog mit großen Schritten an mir vorbei und wünschte mir einen tollen Tag !! (Er rannte wirklich ein bissel 😊)

Nicht mein Ding … ich ging gemütlich und immer stiller meines Weges. Mein Schritt wurde fast meditativ und auch die Füße schmerzten gar nicht mehr. Komisch, könnte ich doch gestern fast keinen Schritt mehr gehen!

… und alles war mittlerweile miteinander vertraut, die Tiere des Waldes, der Bach am Wegrand, die Bäume und ich.

Ein junges italienisches Paar ging bergan an mir vorbei. Ein freundliches „salve“ und weg waren sie. Ich blieb immer wieder stehen um die Stille zu genießen, welche mittlerweile für mich ganz normal war. Und langsam wurde mir auch bewusst, dass dies die letzten Kilometer sind, die ich gehen würde. Nicht zu glauben, schon fast wieder Vergangenheit.

Irgendwann blieben die beiden Italiener stehen, und zeigten mir von weitem „Assisi“ … ich glaube, die erklärten mir, dass der Weg hier nach unten führt. Ich bedankte mich und wir gingen gemeinsam den Weg bergab. Die Frau fing plötzlich an das „Ave Maria“ zu beten und ihr Mann stimmte beim zweiten Teil ein. Für diese Pärchen war dies der Rosenkranz, den sie scheinbar bis Assisi beteten !! Irgendwie hörte es sich an wie beim Mantrasingen. Ich ging ne ganze Zeit ganz still neben den beiden her und es war alles gut.

Jetzt war Assisi nicht mehr weit. Ich verlangsamte nun meinen Schritt und lies die zwei Gläubigen alleine mit ihren Gebeten. Ich fühlte, dass ich die letzten Kilometer alleine sein wollte !!

Irgendwann überholte ich eine Truppe deutscher und eine Truppe italienischer Pilger, bei denen es sehr laut zuging !!!

Schnell entfernte ich mich von Ihnen und war wieder mit mir alleine … es ging noch mal steil bergan und dann war ich da.

Vor mir lag nun die Basilika di San Francesco. Ich blieb einen Augenblick ganz ruhig stehen und plötzlich fingen die Glocken an zu läuten, denn es war gerade 12.00 Uhr Mittag. Vor Erleichterung liefen die Tränen und ich konnte diese nicht mehr kontrollieren. Ich ging in die Basilika und setzte mich ganz hinten auf einen Stuhl !! Diesen Moment teile ich nicht mit euch. Er gehört mir und das darf er auch. Ganz still war es, trotz der Menschenmassen. Ich verließ irgendwann die Basilika und entfloh den Touristen. Ich suchte mir mein Hotel und checkte ein. Ein traumhaftes Zimmer hatte ich mir ausgesucht. Es ist ganz reizend und liebevoll hergerichtet. Nach dem schon bekannten duschen, Wäsche waschen und ausruhen, schaute ich mir noch Assisi an. Tolles Städtchen, jedoch erschlagen einem die Läden mit Nippes und Andenken !!

An einer ruhigen Bar nahm ich ein schlichtes Essen ein. Danach ging es an zu regnen !!! Für mich heute Freudentränen 😂, denn ich hatte was geschafft, was ich vor 4 Wochen noch fast für unmöglich gehalten habe !!!

Morgen geht es dann am Abend zurück nach Hause. Meine Eindrücke überschlafe ich erst mal und schreibe sie morgen zum Schluss nieder. Bis dahin – buon cammino 😉

11. Tag – Gubbio über Valdichiascio nach Valfabbrica

Heute ist ein schöner Tag zum pilgern … als ich am Morgen erwachte, scheinte die Sonne und das war gut so … ich packte meine 7. Sachen zusammen und startete ohne Frühstück … war nicht dabei – schade. Das Hotel war sonst echt toll. Nun gut, bissel Wasser und anderen Proviant hatte ich ja auch noch im Rucksack. Ich ging durch das ruhige Gubbio und suchte meinem Einstieg zu der heutigen Etappe. Es waren nur ein paar Müllautos unterwegs um die Stadt zu säubern. Der Rest der Welt schlief noch außer ein paar Pilger !!!

Ich ging also der bekannten rot/weißen Markierung entlang, welche aus der Stadt herausführte. Es waren sogar Pilger unterwegs, kaum zu glauben. Der erste überholte mich und grüßte freundlich … und mit schnellen Schritten war er weg … ich hab manchmal das Gefühl, manche machen so ihren eigenen Marathon aus der Pilgertour … hauptsächlich Männer !! Mir egal. Ich bin ja auch nicht gerade langsam unterwegs, aber so blind und schnell durch diese tolle Gegend zu laufen, wäre nicht mein Ding.

Als ich dann aus der Stadt draußen war, sah ich auch mal eine Frau mit Rucksack vor mir laufen … gab es das also doch … ich dachte schon, ich sei die einzige Frau, die hier alleine durch Italien läuft. Ich grüßte sie freundlich und da merkte ich, dass sie auch aus Deutschland kam. Cool 😎

Wir gingen ein Stück des Weges und als wir uns gegenseitig mit Namen vorstellten, merkten wir, dass wir uns schon in der „Franziskusweg-Gruppe“ bei Facebook geschrieben haben … so klein ist die Welt … Doris geht den gesamten Weg bis Rom. Sie hat sich allerdings auch keine Zeit gesetzt. Sie kommt an, wenn die da ist. Das ist ne Ansage. 👍

So gingen wir ne ganze Weile zusammen. Es war richtig toll, mal mit jemandem zu reden. An einem Bauernhof kehrten wir ein und tranken jeder 2 Cappuccino und aßen ein süßes Hörnchen. Es war recht lustig und total spannend. Wir mussten allerdings weiter.

Keiner von uns hat gemerkt, dass wir schon in fast in Valdichiascio waren … Doris hatte hier ein Zimmer gebucht und so trennten sich unsere Wege. Es war noch ein bissel früh (ca. 11.30 Uhr), das Wetter war toll und beflügelt von der tollen Unterhaltung mit Doris ging ich dann einfach weiter. Wie weit das sein sollte, war mir bis dahin nicht bewusst.

Vogelgesang, Kuckuckrufe, Geckos und Eichhörnchen begleiteten mich auf dem Weg durchs Land. Immer mal wieder.

Es war traumhaft, diese Frühlingslandschaft zu sehen. Der Weg ging bergan und bergab, über Bäche und Wälder. So schön kann man das im Normalfall gar nicht fühlen. Aber hier war ich mittendrin. Ich war ein Teil des Ganzen und fühlte mich super.

Am frühen Nachmittag überlegte ich, ob ich nicht in Biscina übernachten sollte, ging aber an der Herberge vorbei und wollte dann doch noch nach Valfabbrica laufen. Dass diese Strecke sich soooo zieht, hätte ich nicht gedacht. Die Kilometerangaben auf den Schildern stimmten überhaupt nicht und der Weg wurde zu einer echten Herausforderung für mich. Meine Füße taten weh, ne die schmerzten so dolle, dass ich die letzten Kilometer nur noch humpelnd vorankam … Mist, so hatte ich mir das nicht gedacht … ich wollte am liebsten ins Gras beißen, aber es half alles nichts. Ich musste ja noch nach Valfabbrica. Die letzten Kilometer ging ich nur noch auf Asphalt, ständig bergauf, bergab !! Wann bin ich endlich da? 😫 Es war jetzt schon 18.00 Uhr und ich schon 10 Stunden unterwegs. Ich hatte echt keine Lust mehr … als ich dann das Ortsschild Valfabbrica sah, liefen mir die Tränen der Erleichterung. Ich krabbelte mehr als das ich lief den letzten Anstieg empor und war dann an meinem Ziel. Zum Glück hatte das Wetter mitgespielt !!! Jetzt müsste ich noch ein Zimmer suchen. Das Ostello war voll. Also ging ich noch unter extremsten Fußschmerzen und schaute, ob ich noch ein Bett und ne Dusche für diese Nacht bekam … der Pilger, der mich heute früh so zügig überholte, zeigte mir ein Hotel, welches ich dann humpelnd betrat … die Frau an der Rezeption hatte scheinbar großes Mitleid mit mir (ich muss echt scheiße ausgesehen haben 🤔) und gab mir ein Zimmer … ich hätte egal wo geschlafen, Hauptsache Schuhe aus und duschen und ein Platz zum schlafen … sonst wollte ich nix mehr hören und sehen !!!

Dieser Tag, der sooo toll begann, endete leider so schmerzhaft. Ich glaubte nicht, dass ich jemals wieder normal gehen könnte.

Egal, ich hatte ja jetzt nur noch eine Etappe zu bewältigen. ASSISI … und Diese wollte ich auch laufen und nicht mit dem Bus fahren !!! Mal sehen, ob das möglich ist !! Für heute nur noch gute Nacht…..💤😴 und Danke Dagmar für den tollen Vormittag mit dir !!!

10. Tag – Bocca Serriola nach Pietralunga und dann nach Gubbio mit dem Bus

Die Nacht in der Bar war ganz ok … Italiener scheinen immer und überall feiern zu können. So auch gestern Abend. Es war allerdings nicht so lange. Irgendwann schlief ich wohl ein. Als ich gegen 6.30 Uhr erwachte, schien es der Tag gut mit mir zu meinen, denn die Sonne lachte vom Himmel … ich packte meine 7 Sachen zusammen und ging zum Frühstück … also für Italiener besteht ein Frühstück aus Espresso und einem schrecklich süßen Hörnchen oder ein paar Keksen !! So saß der Herr des Hauses an dem einen Tisch und die Tochter an einem anderen … Ich bekam 4 Scheiben Ciabatta mit Käse und ein wenig Marmelade.

Danach ging ich des Weges. Eine ganz tolle Wanderung erwartete mich heute … sehr schöne breite Wege, Vogelgesang und die vertrauten Rufe des Kuckucks begleiteten mich … der Weg ging mal bergan mal bergab, alles aber super machbar. Tolle Aussichten hatte man über Umbrien. Es machte riesigen Spaß, so zu laufen … der Tritt wurde immer gleichmäßiger, meditativer …. ich konnte sogar oft beim Laufen die Augen schließen und mich einfach nur der Natur hingeben … ich blieb öfter als sonst stehen und lauschte einfach nur den Geräuschen und meinem Herzen … einfach genial … ich spürte immer mehr, wie alles gut ist … schönes Gefühl !!! Es gibt nichts zu tun!!!

Der Weg zog sich also durch Umbrien und nach ca. 3 Stunden änderte sich das Wetter !!! Plötzlich kam Wind auf und es wurde immer trüber. Die Wolken zogen schnell und gleich darauf fing es wieder an zu regnen. Schade eigentlich – wäre so schön gewesen. Ich zog also wieder meinen roten Umhang an und mein Schritt wurde ein wenig schneller. Es waren noch ca. 5 Kilometer bis Pietralunga.

Als ich dann nach ner guten Stunde Pietralunga erreichte, war ich wieder so nass, dass mein Entschluss feststand: ich fragte in einem Supermarkt nach, ob und wenn ja, wann ein Bus nach Gubbio fährt. Eine Frau erklärte mir mit Händen und Füßen, wo der Bus abfährt. Ich soll hoch zum Marktplatz gehen. Dort würde er um 14.00 Uhr fahren … da war ja noch Zeit. In Italien geht der Bus zwischen 14.00 Uhr und 14.30 Uhr !!! Also immer pünktlich 😂. Da es immer noch schüttete, ging ich in eine Bar und da saßen unter anderem 2 Pilger. Der eine war mir schon in Pieve St. Stefano im Hotel aufgefallen. Ich hatte ihn aber nie auf meinem Weg gesehen … wir unterhielten uns recht nett … englisch / Italienisch / bissel deutsch. Ich erzählte, dass ich mit dem Bus nach Gubbio fahren wollte. Da meinte der andere Pilger, dass es schwer sein wird, ein Zimmer zu bekommen, da momentan viele Veranstaltungen sind … hmmm, das ist nicht so dolle. Er buchte mir kurzer Hand ein Zimmer in der Altstadt von Gubbio. Ich bedankte mich sehr und war heilfroh, dass ich ein Zimmer hatte. Jetzt ging ich zum Bus … es war ja schon kurz vor 14.00 Uhr. Wollte ihn ja nicht verpassen. Pünktlich gegen 14.20 Uhr kam er dann. Wir stiegen ein und der Höllenritt begann. Wenn Italiener um die Kurve fahren, wird gehupt, an Zebrastreifen wird prinzipiell nicht gehalten und sie fahren wie die Henker. Mir war speiübel 🤮. Als wir in Gubbio ankamen, wollten wir zahlen … der gute Mann lachte nur aber nahm kein Geld. Er wünschte noch buon cammino und weg war er.

Das vorgebuchte Zimmer ist schön und sauber und warm ist es auch!! Es folgen die übliche Rituale: duschen, Wäsche waschen und was essen gehen !! Ich spazierte dann noch ein bissel durch die Stadt Gubbio, in der laut einer Sage Franziskus einen Wolf der die Stadt bedrohte, gezähmt hat und ihn dann mit in die Stadt nahm. Die Bewohner der Stadt versprachen im Gegenzug, ihn künftig zu versorgen. Ich hab die Bronzefigur mit Franziskus und dem Wolf aber noch nicht gesehen, den der Himmel öffnete wieder seine Schleusen, so dass ich schnell ins Hotel eilte … ☔️

Das wars für heute … schauen wir mal, wie das ganze weitergeht !! Bis dann und gute Nacht 🌙💤😘

9. Tag – Selci Lama nach Bocca Serriola

Bin heute schon recht früh aufgestanden, da ich das schöne Wetter nutzen wollte um ne lange Strecke über Bocca Serriola nach Pietralunga zu gehen. Der Tag war schon jetzt wolkenlos und so ging ich nach ner Tasse Cappuccino und nem Brioche los. (wurde extra im Mikrowellenherd warm gemacht 😩).

Ich machte mich auf den Weg, ging aber noch in einen SPAR um Proviant mitzunehmen, da es keine Möglichkeit zur Verpflegung unterwegs gab. Käsebrötchen und viel Wasser.

Dann lieg ich endlich los. Es war ein wunderschöner Tag und ein total romantischer Weg … vorbei an vielen Bauernhöfen, die alle verlassen dastanden und an einigen tollen Herrenhäusern. Ein grünlich schimmernder See lud zum pausieren ein !! Die Vögel sangen, der Kuckuck rief und Rebhühnern und Rehe kreuzten meinen Weg !! Herrlich entspannt ging die Tour bergaufwärts. Es wurde steiler und immer steiler und die Sonne brannte vom Himmel herab. Ich musste des Öfteren stehen bleiben um zu trinken und merkte, dass ich schon an meine Grenzen stieß. Hatte ich mir vielleicht ein bissel viel vorgenommen? Ok, ich schau einfach, wie weit ich komme. Leider hatte ich im Refugio Bocca Serriola nicht vorgebucht, was man 3 Tage vorher tun sollte, um dort zu übernachten, aber ich wollte ja eigentlich auch weiter !! Nun vielleicht kommt ja noch ein Hotel dachte ich mir so.

Ich kletterte also durch die Berge und es waren wieder keine Pilger zu sehen … plötzlich hörte ich hinter mir ein komisches Geräusch!! Ich dachte wieder an Wildschweine oder sonstige Ungetiere, (Familie Salzburg lässt grüßen) und ging vorsichtshalber mal ein bissel auf die Seite !! Da kamen ne ganze Truppe Mountainbiker um die Ecke, die freundliche grüßten und mir nach kurzem smalltalk noch nen „buon Cammino “ wünschten. Pilger traf ich wieder nicht. 🤷‍♀️ – komisch!!! Aber immer wieder kamen Biker den Berg runter … Wahrscheinlich ist dieser Weg wirklich ein ganz alter Franziskusweg, denn ich hab auch auf der ganzen Strecke fast keine Markierungen gesehen! Und wieder mal: ohne mein Handy und dem GPS wäre ich hoffnungslos verloren !!

Nach 6 1/2 Stunden erreichte ich dann Bocca Serriola. Im Refugio war wirklich niemand da. Ein bissel den Schotterweg entlang, lag aber eine Bar. Ich fragte nach, ob ich hier ein Zimmer mit Abendessen und Frühstück haben könnte. Ich bekam eines, was fürs Gesamtpaket 45 € ein Schnäppchen ist. Günstiger geht es nicht !! Es ist ein bestimmt 100 Jahre altes Haus, aber es macht einen sehr netten Eindruck und die Vermieter sind super freundlich. Gleich gibt es Essen!! Hab riesengroßen Appetit!! So eine Tour macht wirklich hungrig. Mal schauen, was ich für ein Dinner bekomme. WLAN haben die hier übrigens nicht (wie auch, vor 100 Jahren gab es ja noch keines 😂) aber die Bar ist ein Haltepunkt für die Motorradfahrer der ganzen Umgebung !! Also recht laut. Ich hab ja extra Ohropax mitgenommen. Die kamen gestern Nacht schon in Einsatz !!😊. Ich werde dann morgen früh doch nach Pietralunga laufen, und hoffe, dass ich schneller bin, als der Regen. Die Tour ist mit leicht eingestuft und hat nur 16 km … für ca. 5 Stunden !! Wir werden sehen !! So nun freue ich mich aufs Essen und dann geh ich schlafen!! Bis bald ihr Lieben. 😘

8. Tag – Sansepolgro nach Selci Lama

Als ich heute früh wach wurde und aus dem Fenster schaute, dachte ich, es könne nicht schaden, heute ein bissel später aufzubrechen. Der Himmel war noch zugezogen und die Wolken verbargen die Berge. Außerdem hatte ich nen kleinen Pilgerhänger !!!

Ich ging zum Frühstück. Der Tisch war sehr liebevoll gedeckt und ich aß mit großem Appetit. Nein, die Salami hab ich liegen lassen. Ich esse ja keine Tiere. Aber alles andere hab ich aufgegessen … 🎂🧀🥐

Ich packte mir ein Brot mit Käse als Proviant ein, und ging dann so gegen 9.30 Uhr los.

Ich musste durch die Altstadt und da begegneten mir 2 Pilger. Ich fragte, wo sie hingehen, da sie die entgegengesetzte Richtung nahmen. Sie gingen nach Città di Castello und schauten mich etwas komisch an, als ich Ihnen was von Lama erzählte !!! Wir verabschieden uns und ich gehe ein ganzes Stück bergan. Ich wollte dem Weg zum Kloster Montecasale nehmen, welcher recht anspruchsvoll war, da heute alle Wege noch vom Regen am Vortag total matschig und gefährlich waren. Ohne Stöcke wäre ich nicht hochgekommen, ich rutschte ständig aus.

Ich kam an einem tollen Wasserfall vorbei, überschritt wieder Bäche und nach 2 Stunden war ich dann oben. Ich machte kurz Pause und schaute mir diese wunderschöne Landschaft an. Ein Traum !!!

Nachdem ich auch die Klosteranlage besichtigt hatte wanderte ich auf ganz passabeln Wegen den Berg weiter hoch. Viele Ruinen konnte ich durchqueren. Niemand war unterwegs … ich fragte mich mehrfach, ob hier wirklich auch manchmal Pilger unterwegs sind !! Ich bezweifele es. Wenn im Sommer die ganze Gegend noch zugewachsen ist, wie soll denn da einer gehen können??

Langsam kam die Sonne raus und es wurde richtig warm … ich schwitzte so dolle, dass ich gar nicht genug oben rein schütten konnte, es verdampfte grad alles wieder weg.

Nach insgesamt ca 6,5 Stunden erreichte ich dann mein heutiges Ziel … Selci Lama… ich suchte mir ein Hotel, welches La Rotonda heißt und an einer Bar angeschlossen ist. Im Zimmer angekommen, fing es plötzlich heftig an zu regnen und zu Gewittern .. Glück gehabt, grade noch rechtzeitig, dachte ich mir !!

Nach meinem täglichen Ritual, duschen, Wäsche waschen, ging ich mir noch ein bissel die Altstadt anschauen und ich besorgte auch mein Wasser für morgen. Ich aß noch ne kleine Pizza und ging dann ins Hotel zurück … jetzt ist es fast 23 Uhr und ich komme mir vor, als sei ich am Ballermann !! Der Krach hört nicht auf … mal sehen, wie lange das noch geht !! Morgen hab ich ne große Tour vor mir, denn am Freitag soll es regnen. Und ich mag keine so lange Strecke allein bei Regen laufen. Da werde ich vielleicht mal eine Busfahrt nach Pietralunga machen !! Mal sehen! Bis dahin sag ich allen „buona Notte“.

7. Tag – Pieve St. Stefano nach Sansepolgro

Ich habe in einem wunderschönen, weichen Bett in einem bissel überwärmten Zimmer im Hotel San Stefano die Nacht verbracht. Die gewaschenen Kleider waren alle trocken und rochen angenehm frisch. Ich packte alles in meinen Rucksack. Da es heute regnen sollte, wollte ich recht früh los, denn in den Bergen ist das sicher nicht sehr spaßig wenn alles nass und klitschig ist !! Es sollte aber erst gegen Mittag regnen, deshalb auch der zeitige Aufbruch. Also schnell frühstücken und ab auf die Piste.

Laut Pilgerführer würde ich heute den großen Stausee immer wieder sehen, ihn irgendwann überqueren und herrliche Aussichten auf die Ebene von Sansepolgro haben !!! Die Strecke war recht lang. Nämlich 25 km und hatte ein paar kleine Anstiege.

Ich ging also den Weg mit rot/weißen Markierung bergan und schaute immer wieder zum Himmel. Hoffentlich hält das Wetter .. es war alles in Nebel gehüllt und die Wolken standen tief … ich beeilte mich bergauf, bergab, wieder grade aus und so weiter und so weiter !! Plötzlich öffnete der Himmel seine Schleusen und es fing an zu regnen. Anfangs noch zögerlich aber irgendwann tratschte es ohne Ende … ich hatte mir mit dem Rucksackschutz und dem Schirm geholfen, weil ich dachte, es sei genug. Ich war total nass und so zog ich den tollen roten Regenüberwurf an, den ich mir von Adriane ausleihen konnte. Danke dir dafür liebe Adi, er war mir heute eine große Hilfe.

Ich ging also mit meinem roten Quasimodokostüm durch die Höhen von Sansepolgro. Ich überquerte den Stausee und folgte den Ausführungen im Pilgerführer, der sich nach und nach im Regen auflöste !!

Die Wege waren schon eine echte Herausforderung und ich glaube nicht, dass sich in den letzten Wochen hier irgend jemand durchgequält hat. Mir hing der Schlamm an den Schuhen und ich hatte das Gefühl, ich trug zusätzlich 2 kg an jedem Fuß !!

Irgendwann ging ich wieder einen Weg bergauf und da lag eine Hüfttasche mit allem Inhalt auf dem Weg !! Wie versteinert kamen mir wieder die Ermahnungen meiner Mama in den Sinn. Mörder/ Diebe ??

Der Gedanke gefiel mir nicht, deshalb ging ich lieber noch ein bissel schneller. Und es regnete unaufhörlich. Die Hose war mittlerweile auch tropfnass und alles andere auch. Keine Pause gönnte ich mir … und doch hörte es wirklich auch mal auf zu regnen. Ich war mutig, zog das Cape aus und ging eine riesige Strecke durch das flache aber fruchtbare Tibertal. Der Weg wollte nicht enden. Und zu meiner allergrößten Freude, fing das ganze noch mal von vorne an !! Wie aus Kübeln kam das Wasser vom Himmel runter … es gab jetzt wieder kein einziges trockenes Fleckchen mehr an mir !!

Was tu ich da eigentlich? Könnte ich nicht auch am Golf liegen und die Füße in den Sand stecken !! Aber nein … ich muss ja pilgern !! Ich war stinkig auf mich, auf den Regen und darauf, das der Weg nicht enden wollte. Meine Albergo Oroscopo hatte ich dann doch irgendwie erreicht !! Jetzt nur noch duschen, Wäsche waschen und was leckeres im Hotel essen !!

Ja das war der Tag, und heute war ich leider wieder ganz allein !! Kein Lucas, der mittlerweile wieder mit dem Zug in Innsbruck angekommen sein müsste und auch keine Familie Salzburg!!! Die werden in Arezzo mit dem Nachtzug nach Salzburg fahren !! Nur ich und sonst kein Mensch. Aber ich halte durch !!

Ich geh jetzt schlafen aber wenn es wieder so ein Sauwettet hat, fahre ich mit dem Bus !! Das hab ich ganz fest vor !! Also dann, bitte alle ihre Teller leer essen, damit die Sonne wieder scheint !! Gute Nacht ihr Lieben !! 😘